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Der Taucher (1815) D77 / D111

Der Taucher

„Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp,
Zu tauchen in diesen Schlund?
Einen goldnen Becher werf’ ich hinab.
Verschlungen schon hat ihn der schwarze Mund.
Wer mir den Becher kann wieder zeigen,
Er mag ihn behalten, er ist sein eigen.“
Der König spricht es und wirft von der Höh’
Der Klippe, die schroff und steil
Hinaushängt in die unendliche See,
Den Becher in der Charybde Geheul.
„Wer ist der Beherzte, ich frage wieder,
Zu tauchen in diese Tiefe nieder?“
Und die Ritter und Knappen um ihn her
Vernehmen’s und schweigen still,
Sehen hinab in das wilde Meer,
Und keiner den Becher gewinnen will.
Und der König zum drittenmal wieder fraget:
„Ist keiner, der sich hinunter waget?“
Doch alles noch stumm bleibt wie zuvor,
Und ein Edelknecht, sanft und keck,
Tritt aus der Knappen zagendem Chor,
Und den Gürtel wirft er, den Mantel weg,
Und alle die Männer umher und Frauen
Auf den herrlichen Jüngling verwundert schauen.
Und wie er tritt an des Felsen Hang
Und blickt in den Schlund hinab
Die Wasser, die sie hinunterschlang,
Die Charybde jetzt brüllend wiedergab,
Und wie mit des Donners fernen Getose
Entstürzen sie schäumend dem finstern Schosse.
Und es wallet und siedet und brauset und zischt,
Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,
Bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt
Und Flut auf Flut sich ohn’ Ende drängt,
Und will sich nimmer erschöpfen und leeren,
Als wollte das Meer noch ein Meer gebären.
Doch endlich, da legt sich die wilde Gewalt,
Und schwarz aus dem weissen Schaum
Klaft hinunter ein gähender Spalt,
Grundlos, als ging’s in den Höllenraum,
Und reissend sieht man die brandenden Wogen
Hinab in den strudelnden Trichter gezogen.
Jetzt schnell, eh’ die Brandung wiederkehrt,
Der Jüngling sich Gott befiehlt,
Und – ein Schrei des Entsetzens wird rings gehört,
Und schon hat ihn der Wirbel hinweggespült.
Und geheimnisvoll über dem kühnen Schwimmer
Schliesst sich der Rachen, er zeigt sich nimmer.
Und stille wird’s über dem Wasserschlund.
In der Tiefe nur brauset es hohl,
Und bebend hört man von Mund zu Mund:
„Hochherziger Jüngling, fahre wohl!“
Und hohler und hohler hört man’s heulen,
Und es harrt noch mit bangem,
mit schrecklichem Weilen.
Und wärfst du die Krone selbe hinein
Und sprächst: wer mir bringet die Kron’,
Er soll sie tragen und König sein –
Mich gelüstete nicht nach dem teuren Lohn.
Was die heulende Tiefe da unten verhehle,
Das erzählt keine lebende glückliche Seele.
Wohl manches Fahrzeug, vom Strudel gefasst,
Schoss gäh in die Tiefe hinab,
Doch zerschmettert nur rangen sich Kiel und Mast
Hervor aus dem alles verschlingenden Grab –
Und heller und heller, wie Sturmes Sausen,
Hört man’s näher und immer näher brausen.
Und es wallet und siedet und brauset und zischt,
Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,
Bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt,
Und Well’ auf Well’ sich ohn’ Ende drängt,
Und wie mit des fernen Donners Getose
Entstürzt es brüllend dem finstern Schosse.
Und sieh! aus dem finster flutenden Schoss
Da hebet sich’s schwanenweiss,
Und ein Arm und ein glänzender Nacken wird bloss,
Und es rudert mit Kraft und mit emsigem Fleiss,
Und er ist’s, und hoch in seiner Linken
Schwingt er den Becher mit freudigem Winken.
Und atmete lang’ und atmete tief
Und begrüsste das himmlische Licht.
Mit Frohlocken es einer dem andern rief:
„Er lebt! Er ist da! Es behielt ihn nicht!
Aus dem Grab, aus der strudelnden Wasserhöhle
Hat der Brave gerettet die lebende Seele.“
Und er kommt, es umringt ihn die jubelnde Schar,
Zu des Königs Füssen er sinkt,
Den Becher reicht er ihm knieend dar,
Und der König der lieblichen Tochter winkt,
Die füllt ihn mit funkelndem Wein bis zum Rande,
Und der Jüngling sich also zum König wandte:
„Lange lebe der König! Es freue sich,
Wer da atmet im rosigten Licht!
Aber da unten ist’s fürchterlich,
Und der Mensch versuche die Götter nicht
Und begehre nimmer und nimmer zu schauen,
Was sie gnädig bedecken mit Nacht und Grauen.
„Es riss mich hinunter blitzesschnell –
Da stürzt’ mir aus felsigtem Schacht
Entgegen ein reissender Quell:
Mich packte des Doppelstroms wütende Macht,
Und wie einen Kreisel mit schwindelndem Drehen
Trieb’s mich um, ich konnte nicht widerstehen.
„Da zeigt mir Gott, zu dem ich rief
In der höchste schrecklichen Not,
Aus der Tiefe ragend ein Felsenriff,
Das erfasst’ ich behend und entrann dem Tod –
Und da hing auch der Becher an spitzen Korallen,
Sonst wär’er ins Bodenlose gefallen.
„Denn unter mir lag’s noch, bergetief,
In purpurner Finsternis da,
Und ob’s hier dem Ohre gleich ewig schlief,
Das Auge mit Schaudern hinuntersah,
Wie’s von Salamandern und Molchen, Drachen
Sich regte in dem furchtbaren Höllenrachen.
„Schwarz wimmelten da, im grausen Gemisch,
Zu scheusslichen Klumpen geballt,
Der stachligte Roche, der Klippenfisch,
Des Hammers greuliche Ungestalt,
Und dräuend wies mir die grimmigen Zähne
Der entsetzliche Hai, des Meeres Hyäne.
„Und da hing ich und war’s mir mit Grausen bewusst
Von der menschlichen Hilfe so weit,
Unter Larven die einzige fühlende Brust,
Allein in der grässlichen Einsamkeit,
Tief unter dem Schall der menschlichen Rede
Bei den Ungeheuern der traurigen Öde.
„Und schaudernd dacht’ ich’s, da kroch’s heran,
Regte hundert Gelenke zugleich,
Will schnappen nach mir – in des Schreckens Wahn
Lass’ ich los der Koralle umklammerten Zweig:
Gleich fasst mich der Strudel mit rasendem Toben,
Doch es war mir zum Heil, er riss mich nach oben.“
Der König darob sich verwundert schier
Und spricht: Der Becher ist dein,
Und diesen Ring noch bestimm' ich dir,
Geschmückt mit dem köstlichsten Edelgestein,
Versuchst du's noch einmal und bringst mir Kunde,
Was du sahst auf des Meers tief unterstem Grunde.
Das hörte die Tochter mit weichem Gefühl,
Und mit schmeichelndem Munde sie fleht:
Laßt Vater genug seyn das grausame Spiel,
Er hat euch bestanden, was keiner besteht,
Und könnt ihr des Herzens Gelüsten nicht zähmen,
So mögen die Ritter den Knappen beschämen.
Drauf der König greift nach dem Becher schnell,
In den Strudel ihn schleudert hinein,
Und schaffst du den Becher mir wieder zur Stell,
So sollst du der treflichste Ritter mir seyn,
Und sollst sie als Ehgemahl heut noch umarmen,
Die jetzt für dich bittet mit zartem Erbarmen.
Da ergreift's ihm die Seele mit Himmelsgewalt,
Und es blitzt aus den Augen ihm kühn,
Und er siehet erröthen die schöne Gestalt,
Und sieht sie erbleichen und sinken hin,
Da treibt's ihn, den köstlichen Preis zu erwerben,
Und stürzt hinunter auf Leben und Sterben.
Wohl hört man die Brandung, wohl kehrt sie zurück,
Sie verkündigt der donnernde Schall,
Da bückt sich's hinunter mit liebendem Blick,
Es kommen, es kommen die Wasser all,
Sie rauschen herauf, sie rauschen nieder,
Doch den Jüngling bringt keines wieder.

The Diver

‘Who will dare, knight or squire,
to dive into this abyss?
I hurl this golden goblet down,
the black mouth has already devoured it.
He who can show me the goblet again
may keep it, it is his.’
Thus the king speaks, and from the top
of the cliff, which juts abruptly and steeply
into the infinite sea,
he hurls the goblet into the howling Charybdis.
‘Who is there brave enough, I ask once more,
to dive down into the depths?’
And the knights and squires around him
listen, and keep silent,
looking down into the turbulent sea,
and none desires to win the goblet.
And the king asks a third time:
‘Is there no one who will dare the depths?’
But all remain silent as before;
then a young squire, gentle and bold,
steps from the hesitant throng,
throws off his belt and his cloak,
and all the men and women around him
gaze in astonishment at the fine youth.
And as he steps to the cliff’s edge
and looks down into the abyss,
the waters which Charybdis devoured
she now regurgitates, roaring,
and, as if with the rumbling of distant thunder,
they rush foaming from the black womb.
The waters seethe and boil, rage and hiss
as if they were mixed with fire,
the steaming spray gushes up to the heavens,
and flood piles on flood, ceaselessly,
never exhausting itself, never emptying,
as if the sea would beget another sea.
But at length the turbulent force abates,
and black from the white foam
a yawning rift gapes deep down,
bottomless, as if it led to hell’s domain,
and you see the tumultuous foaming waves,
sucked down into the seething crater.
Now swiftly, before the surge returns,
the youth commends himself to God,
and – a cry of horror is heard all around –
the whirlpool has already borne him away.
And over the bold swimmer mysteriously
the gaping abyss closes; he will never be seen again.
Calm descends over the watery abyss.
Only in the depths is there a hollow roar,
and the words falter from mouth to mouth.
‘Valiant youth, farewell!’
The roar grows ever more hollow,
and they wait,
anxious and fearful.
Even if you threw in the crown itself,
and said: ‘Whoever brings me this crown
shall wear it and be king’ –
I would not covet the precious reward.
What the howling depths may conceal
no living soul will me tell.
Many a vessel, caught by the whirlpool,
has plunged sheer into the depths,
yet only wrecked keels and masts
have struggled out of the all-consuming grave –
like the rushing of a storm,
the roaring grows ever closer and more vivid.
The waters seethe and boil, rage and hiss,
as if they were mixed with fire,
the steaming spray gushes up to the heavens
and flood piles on flood, ceaselessly,
and, as if with the rumbling of distant thunder,
the waters rush foaming from the black womb.
But look! From the black watery womb
a form rises, as white as a swan,
an arm and a glistening neck are revealed,
rowing powerfully, and with energetic zeal,
it is he! And high in his left hand
he joyfully waves the goblet.
He breathes long, he breathes deeply,
and greets the heavenly light.
Rejoicing they call to each other:
‘He’s alive! He’s here! The abyss did not keep him!
From the grave, the swirling watery cavern,
the brave man has saved his living soul.’
He approaches, the joyous throng surrounds him,
and he falls down at the king’s feet;
kneeling, he hands him the goblet,
and the king signals to his charming daughter,
who fills it to the brim with sparkling wine;
then the youth turns to the king:
‘Long live the king! Rejoice,
whoever breathes this rosy light!
But down below it is terrible,
and man should never tempt the gods
nor ever desire to see
what they graciously conceal in night and horror.
‘It tore me down as fast as lightning –
then, from a rocky shaft
a torrential flood poured towards me:
I was seized by the double current’s raging force,
and, like the giddy whirling of a top,
it hurled me round; I could not resist.
‘Then God, to whom I cried,
showed me, at the height of my dire distress,
a rocky reef, rising from the depths;
I swiftly gripped it and escaped death –
and there, too, the goblet hung on coral lips, or else
it would have fallen into the bottomless ocean.
‘For below me still it lay, fathomlessly deep,
there in purple darkness.
And even if, for the ear, there was eternal calm here,
the eye looked down with dread,
at the salamanders and dragons
inhabiting the terrifying caverns of hell.
‘Black, in a ghastly melee,
massed in horrifying clumps,
teemed the stinging roach, the fish of the cliff,
the hammer-head, hideously misshapen,
and, threatening me with his wrathful teeth,
the gruesome shark, the hyena of the sea.
‘And there I hung, terrifyingly conscious
how far I was from human help,
among larvae the only living heart,
alone in terrible solitude,
deep beneath the sound of human speech
with the monsters of that dismal wilderness.
‘And, with a shudder, I thought it was creeping along,
moving hundreds of limbs at once,
it wanted to grab me – in a terrifying frenzy
I let go of the coral’s clinging branch:
at once the whirlpool seized me with raging force,
but it was my salvation, pulling me upwards.’
At this the king is greately amazed,
and says: 'The goblet is yours,
and the ring, too, I will give you,
adorned with the most precious stones,
if you try once more, and bring me news of what
you have seen on the deepest sea's deepest bed.'
His daughter hears this with tenderness,
and implores with coaxing words:
'Father, let the cruel game cease!
He has endure for you what no other can endure,
and if you cannot tame the desire of your heart,
then let the knights shame the squire.'
Thereupon the king quickly seizes the goblet,
and hurls it into the whirlpool:
‘If you return the goblet to this spot,
you shall be my noblest knight,
and you shall embrace as a bride this very day
the one who now pleads for you with tender pity.’
Now his soul is seized with heavenly power,
and his eyes flash boldly,
and he sees the fair creature blush,
then grow pale and swoon –
this impels him to gain the precious prize,
and he plunges down, to life or death.
The foaming waves are heard, they return,
heralded by the thunderous roar –
she leans over with loving gaze:
the waves keep on returning,
surging, they rise and fall,
yet not one will bring back the youth.

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Composer

Franz Peter Schubert was an late Classical and early Romantic composer. He produced a vast oeuvre during his short life, composing more the 600 vocal works (largely Lieder), and well as several symphonies, operas, and a large body of piano music. He was uncommonly gifted from a young age, but appreciation of his music was limited during his lifetime. His work became more popular in the decades after his death, and was praised by 19th century composers, including Mendelssohn, Schumann, Brahms, and Liszt.

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Poet

Johann Christoph Friedrich von Schiller was a German poet, philosopher, physician, historian, and playwright. During the last seventeen years of his life (1788–1805), Schiller struck up a productive, if complicated, friendship with the already famous and influential Johann Wolfgang von Goethe. They frequently discussed issues concerning aesthetics, and Schiller encouraged Goethe to finish works he left as sketches. This relationship and these discussions led to a period now referred to as Weimar Classicism. They also worked together on Xenien, a collection of short satirical poems in which both Schiller and Goethe challenge opponents to their philosophical vision.

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