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Die Bürgschaft (1815) D246

Die Bürgschaft

Zu Dionys dem Tyrannen, schlich
Möros, den Dolch im Gewande;
Ihn schlugen die Häscher in Bande.
„Was wolltest du mit dem Dolche, sprich!“
Entgegnet ihm finster der Wüterich.
„Die Stadt vom Tyrannen befreien!“
„Das sollst du am Kreuze bereuen.“
„Ich bin,“ spricht jener, „zu sterben bereit
Und bitte nicht um mein Leben:
Doch willst du Gnade mir geben,
Ich flehe dich um drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
Ich lasse den Freund dir als Bürgen,
Ihn magst du, entrinn’ ich, erwürgen.“
Da lächelt der König mit arger List
Und spricht nach kurzem Bedenken:
„Drei Tage will ich dir schenken;
Doch wisse, wenn sie verstrichen, die Frist,
Eh’ du zurück mir gegeben bist,
So muss er statt deiner erblassen,
Doch dir ist die Strafe erlassen.“
Und er kommt zum Freunde: „Der König gebeut,
Dass ich am Kreuz mit dem Leben
Bezahle das frevelnde Streben.
Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
So bleibe du dem König zum Pfande,
Bis ich komme zu lösen die Bande.“
Und schweigend umarmt ihn der treue Freund
Und liefert sich aus dem Tyrannen;
Der and’re ziehet von dannen.
Und eh’ noch das dritte Morgenrot erscheint,
Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,
Eilt heim mit sorgender Seele,
Damit er die Frist nicht verfehle.
Da giesst unendlicher Regen herab,
Von den Bergen stürzen die Quellen,
Und die Bäche, die Ströme schwellen.
Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab,
Da reisset die Brücke der Strudel hinab,
Und donnernd sprengen die Wogen
Dem Gewölbes krachenden Bogen.
Und trostlos irrt er an Ufers Rand:
Wie weit er auch spähet und blicket
Und die Stimme, die rufende, schickt.
Da stösset kein Nachen vom sichern Strand,
Der ihn setze an das gewünschte Land,
Kein Schiffer lenket die Fähre,
Und der wilde Strom wird zum Meere.
Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,
Die Hände zum Zeus erhoben:
„O hemme des Stromes Toben!
Es eilen die Stunden, im Mittag steht
Die Sonne, und wenn sie niedergeht
Und ich kann die Stadt nicht erreichen,
So muss der Freund mir erbleichen.“
Doch wachsend erneut sich des Stromes Toben,
Und Welle auf Welle zerrinet,
Und Stunde an Stunde entrinnet.
Da treibt ihn die Angst, da fasst er sich Mut
Und wirft sich hinein in die brausende Flut
Und teilt mit gewaltigen Armen
Den Strom, und ein Gott hat Erbarmen.
Und gewinnt das Ufer und eilet fort
Und danket dem rettenden Gotte;
Da stürzet die raubende Rotte
Hervor aus des Waldes nächtlichem Ort,
Den Pfad ihm sperrend, und schnaubert Mord
Und hemmet des Wanderers Eile
Mit drohend geschwungener Keule.
„Was wollt ihr?“ ruft er vor Schrecken bleich,
„Ich habe nichts als mein Leben,
Das muss ich dem Könige geben!“
Und entreisst die Keule dem nächsten gleich:
„Um des Freundes willen erbarmt euch!“
Und drei mit gewaltigen Streichen
Erlegt er, die andern entweichen.
Und die Sonne versendet glühenden Brand,
Und von der unendlichen Mühe
Ermattet sinken die Knie.
„O hast du mich gnädig aus Räubershand,
Aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land,
Und soll hier verschmachtend verderben,
Und der Freund mir, der liebende, sterben!“
Und horch! da sprudelt es silberhell,
Ganz nahe, wie rieselndes Rauschen,
Und stille hält er, zu lauschen;
Und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell,
Springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell,
Und freudig bückt er sich nieder
Und erfrischet die brennenden Glieder.
Und die Sonne blickt durch der Zweige Grün
Und malt auf den glänzenden Matten
Der Bäume gigantische Schatten;
Und zwei Wanderer sieht er die Strasse ziehn,
Will eilenden Laufes vorüber fliehn,
Da hört er die Worte sie sagen:
„Jetzt wird er ans Kreuz geschlagen.“
Und die Angst beflügelt den eilenden Fuss,
Ihn jagen der Sorge Qualen;
Da schimmern in Abendrots Strahlen
Von ferne die Zinnen von Syrakus,
Und entgegen kommt ihm Philostratus,
Des Hauses redlicher Hüter,
Der erkennet entsetzt den Gebieter:
„Zurück! du rettest den Freund nicht mehr,
So rette das eigene Leben!
Den Tod erleidet er eben.
Von Stunde zu Stunde gewartet’ er
Mit hoffender Seele der Wiederkehr,
Ihm konnte den mutigen Glauben
Der Hohn des Tyrannen nicht rauben.“
„Und ist es zu spät, und kann ich ihm nicht,
Ein Retter, willkommen erscheinen,
So soll mich der Tod ihm vereinen.
Des rühme der blut’ge Tyrann sich nicht,
Dass der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,
Er schlachte der Opfer zweie
Und glaube an Liebe und Treue!“
Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor,
Und sieht das Kreuz schon erhöhet,
Das die Menge gaffend umstehet;
An dem Seile schon zieht man den Freund empor,
Da zertrennt er gewaltig den dichten Chor:
„Mich, Henker,“ ruft er, „erwürget!
Da bin ich, für den er gebürget!“
Und Erstaunen ergreift das Volk umher,
In den Armen liegen sich beide
Und weinen vor Schmerzen und Freude.
Da sieht man kein Auge tränenleer,
Und zum Könige bringt man die Wundermär’;
Der fühlt ein menschlich Rühren,
Lässt schnell vor den Thron sie führen,
Und blickt sie lange verwundert an.
Drauf spricht er: „Es ist euch gelungen,
Ihr habt das Herz mir bezwungen;
Und die Treue ist doch kein leerer Wahn –
So nehm auch mich zum Genossen an:
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
In eurem Bunde der dritte!“

The Pledge

Moros, his dagger concealed in his cloak,
stealthily approached the tyrant Dionysus.
The henchman clapped him in irons.
‘What did you intend with your dagger? Speak!’
the evil tyrant asked menacingly.
‘To free this city from the tyrant.’
‘You shall rue this on the cross.’
‘I am’, he said, ‘ready to die,
and do not beg for my life.
But if you will show me clemency
I ask from you three days’ grace
until I have given my sister in marriage.
As surety I will leave you my friend –
if I fail, then hang him.’
The king smiled with evil cunning,
and after reflecting a while spoke:
‘I will grant you three days,
but know this: if the time runs out
before you are returned to me
he must die instead of you,
but you will be spared punishment.’
He went to his friend. ‘The king decrees
that I am to pay on the cross with my life
for my attempted crime.
But he is willing to grant me three days’ grace
until I have married my sister to her spouse.
Stand surety with the king
until I return to redeem the bond.’
Silently his faithful friend embraced him,
and gave himself up to the tyrant.
Moros departed.
Before the third day dawned he had quickly married his sister to her betrothed.
He now hastened home with troubled soul
lest he should fail to meet the appointed time.
Then rain poured down ceaselessly;
torrents streamed down the mountains;
brooks and rivers swelled.
When he came to the bank, staff in hand,
the bridge was swept down by the whirlpool,
and the thundering waves destroyed
its crashing arches.
Disconsolate, he trudged along the bank.
However far his eyes travelled,
and his shouts resounded,
no boat left the safety of the banks
to carry him to the shore he sought.
No boatman steered his ferry,
and the turbulent river became a sea.
He fell on the bank, sobbing and imploring,
he raised his hands to Zeus:
‘O curb the raging torrent!
The hours speed by, the sun stands
at its zenith, and when it sets
and I cannot reach the city,
my friend will die for me.’
But the river grew ever more angry;
wave upon wave broke,
and hour upon hour flew by.
Gripped by fear he took courage,
and flung himself into the seething flood;
with powerful arms he clove
the waters, and a god had mercy on him.
He reached the bank and hastened on,
thanking the god that saved him.
Then a band of robbers
stormed from the dark recesses of the forest
blocking his path and threatening death.
They halted the traveller’s swift course
with their menacing clubs.
‘What do you want?’ he cried, pale with terror,
‘I have nothing but my life,
and that I must give to the king!’
He seized the club of the one nearest him:
‘For the sake of my friend, have mercy!’
Then with mighty blows he felled three of them,
and the others escaped.
The sun shed its glowing fire
and from their ceaseless exertion
his weary knees gave way. ‘You have
mercifully saved me from the hands of robbers,
you have saved me from the river and brought me
to the sacred land. Am I to die of thirst here,
and is my devoted friend to perish?’
But hark, a silvery bubbling sound
close by, like rippling water.
He stopped and listened quietly;
and lo, bubbling from the rock,
a living spring gushed forth.
Joyfully he stopped
to refresh his burning body.
Now the sun shone through the green branches,
and upon the radiant fields
the trees’ gigantic shadows.
He saw two travellers on the road
and with rapid steps was about to overtake them
when he heard them speak these words:
‘Now he is being bound to the cross.’
Fear quickened his steps;
he was driven on by torments of anxiety;
then in the sun’s dying rays,
the towers of Syracuse glinted from afar,
and Philostratus, his household’s faithful steward,
came towards him.
With horror he recognized his master.
‘Turn back! You will not save your friend now.
So save your own life!
At this moment he meets his death.
From hour to hour he awaited
your return with hope in his soul;
the tyrant’s derision could not weaken
his courageous faith.’
‘If it is too late, if I cannot
appear before him as his welcome saviour,
then let death unite us.
The bloodthirsty tyrant shall never gloat
that one friend broke his pledge to another –
let him slaughter two victims
and believe in love and loyalty.’
The sun set as he reached the gate
and saw the cross already raised,
surrounded by a gaping throng.
His friend was already being hoisted up by
the ropes when he forced his way through the
dense crowd. ‘Kill me, hangman!’ he cried.
‘It is I for whom he stood surety.’
The people standing by were seized with
astonishment; the two friends were in each others’
arms, weeping with grief and joy.
No eye was without tears;
the wondrous tidings reached the king;
he was stirred by humane feelings, and at once
summoned the friends before his throne.
He looked at them long, amazed,
then he spoke: ‘You have succeeded,
you have conquered this heart of mine.
Loyalty is no vain delusion –
then take me, too, as a friend.
Grant me this request: admit me
as the third in your fellowship.’

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Composer

Franz Peter Schubert was an late Classical and early Romantic composer. He produced a vast oeuvre during his short life, composing more the 600 vocal works (largely Lieder), and well as several symphonies, operas, and a large body of piano music. He was uncommonly gifted from a young age, but appreciation of his music was limited during his lifetime. His work became more popular in the decades after his death, and was praised by 19th century composers, including Mendelssohn, Schumann, Brahms, and Liszt.

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Poet

Johann Christoph Friedrich von Schiller was a German poet, philosopher, physician, historian, and playwright. During the last seventeen years of his life (1788–1805), Schiller struck up a productive, if complicated, friendship with the already famous and influential Johann Wolfgang von Goethe. They frequently discussed issues concerning aesthetics, and Schiller encouraged Goethe to finish works he left as sketches. This relationship and these discussions led to a period now referred to as Weimar Classicism. They also worked together on Xenien, a collection of short satirical poems in which both Schiller and Goethe challenge opponents to their philosophical vision.

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